Flüssigkeiten sind die anspruchsvollste Sachet-Anwendung
Pulver fällt, Granulat rieselt – Flüssigkeiten und Pasten tun nichts davon freiwillig. Sie müssen gefördert, exakt portioniert und ohne Tropfen in den Beutel gebracht werden, und sie hinterlassen in der Siegelnaht zurück, was dort nicht hingehört. Die Sachet-Abfüllanlage für Flüssigkeiten und Pasten ist deshalb mehr als eine Sachetmaschine mit anderem Dosierer: Produktzuführung, Pumpentechnik und Reinigungsfähigkeit bestimmen die Linie. Die Maschinenbasis ist dieselbe wie in der Sachetmaschine beschrieben – dieser Artikel konzentriert sich auf das Flüssig- und Pasten-spezifische.
Anlagenkomponenten im Überblick
Eine Flüssig-Sachet-Linie besteht aus fünf Blöcken:
- Produktzuführung: Vorratsbehälter mit 30 bis 200 l Volumen, bei sedimentierenden Produkten mit Rührwerk, bei warmzuhaltenden Pasten (Schokolade, Karamell) doppelwandig beheizt.
- Fördereinheit: Produktpumpe oder Drucktank, die das Produkt aus dem Behälter zur Dosierstelle fördern – produktberührende Teile in Edelstahl, bei aggressiven Medien in SS316, bei Standard-Lebensmitteln in SS304.
- Dosierstation: Die Dosierpumpe sitzt direkt über dem Füllrohr und gibt die Charge mengengeregelt in den offenen Folienschlauch.
- Siegel- und Trennstation: Längs- und Quernaht wie bei jeder Sachetmaschine – mit dem Unterschied, dass Produktreste in der Naht hier die Hauptfehlerquelle sind (dazu der Artikel zur Siegeltechnologie bei Sachets).
- Ableitung und Kontrolle: Förderband zur Sammlung oder direkte Übergabe an Rückverwiegekontrolle und Kartonierer.
Pumpentypen im Vergleich
| Pumpentyp | Füllmenge | Genauigkeit | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|---|
| Kolbendosierer | 0,5 bis 50 ml | ±0,5 % | pastöse und hochviskose Produkte, hohe Genauigkeit | Produktberührung, Reinigungsaufwand |
| Peristaltikpumpe | 1 bis 30 ml | ±0,5 bis ±1 % | Förderung nur über den Schlauch – schnellster Produktwechsel, hygienisch | Schlauch als Verschleißteil, keine groben Pasten |
| Zeitdruck-System | 5 bis 50 ml | ±1 bis ±2 % | einfach, günstig | temperaturabhängige Viskosität beeinflusst die Genauigkeit |
| Membrandosierer | 2 bis 40 ml | ±1 % | aggressive Medien, abgedichtet | begrenzte Viskositätsspanne |
Die Faustregel: niederviskose Tenside und Säfte laufen auf Zeitdruck oder Peristaltik, Cremes und Gele auf den Kolbendosierer, aggressive oder sterile Produkte auf Membran oder Peristaltik. Die jeweilige Verfahrenswahl entscheidet die Produktspezifikation – Viskosität in Millipascal-Sekunden, Scherverhalten, Temperaturfenster.
Das Tropfenproblem: drei technische Antworten
Jeder Tropfen außen am Beutel ist ein Hygiene- und Siegelproblem. Drei etablierte Konstruktionen halten das Füllrohr trocken:
- Saugrückhub: Die Kolbenpumpe zieht nach der Dosierung den Füllrohr-Inhalt kurz zurück – der Standard bei Kolbendosierern.
- Düsenabschluss: Ventilnadel oder Kugelventil am Füllrohr-Ende, das den Produktstrom mechanisch abschließt; bei dünnflüssigen Produkten Pflicht.
- Rohrspülung mit Gasmantel: Ein Ringspalt um das Füllrohr bläst Luft oder Stickstoff gegen auftretende Tropfen – gleichzeitig inertisiert das Gas sauerstoffempfindliche Produkte im Sachet.
Reinigung: CIP-fähig planen
Flüssig- und Pastenlinien werden häufiger gereinigt als Pulveranlagen – täglich bis je Produktwechsel. CIP-fähige Ausführung bedeutet: reinigbare Produktführungen ohne Toträume, schnell lösbare Schlauchverbindungen, Dosierpumpe spülbar im eingebauten Zustand. Die Auswahlkriterien im Detail stehen im Artikel zur Reinigung und Hygiene. Wer mehrere Produkte auf einer Linie fährt, plant die Reinigungszeit als Produktionszeit ein: branchenüblich 30 bis 60 Minuten je Umrüstung inklusive Trocknung.
Leistung und Format
Flüssig-Sachets laufen einspurig mit 30 bis 80 Beuteln/Min. – mehrspurige Flüssig-Anlagen sind aufwendiger als Pulver-Stickpacks, weil jede Spur eine eigene Dosierstrecke braucht. Formate sind 4-Seiten-Siegel mit 40 bis 100 mm Breite und 50 bis 150 mm Länge; übliche Füllmengen 2 bis 30 ml (Kosmetik-Proben) beziehungsweise 5 bis 50 ml (Soßen, Öle, Sirup). Die Gesamtübersicht aller Flüssigkeitsverpackungsthemen beginnt bei der Verpackungslösung für Flüssigkeiten.
Häufige Fragen
Welche Dosiergenauigkeit erreichen Flüssig-Sachetanlagen?
Kolben- und Peristaltikdosierung erreichen ±0,5 % vom Sollwert bei Füllmengen ab 0,5 ml; Zeitdrucksysteme liegen bei ±1 bis ±2 %. Ausschlaggebend ist eine stabile Produkttemperatur, weil die Viskosität die Fördermenge beeinflusst.
Können Cremes und Gele sachetverpackt werden?
Ja, mit Kolbendosierer und beheizter Produktführung – hochviskose Pasten mit mehr als 10.000 Millipascal-Sekunden brauchen Wärme und glatte, weite Produktwege ohne Querschnittssprünge.
Was passiert bei Produktresten in der Siegelnaht?
Die Nahtfestigkeit sinkt, und der Beutel wird undicht – Ultraschallsiegeln toleriert Reste am besten, ansonsten verhindern Absaugung, Rohrspülung und sauberes Dosier-Timing den Eintrag. Details im Artikel Siegeltechnologie bei Sachets.
Lohnt sich eine Mehrspur-Anlage für Flüssigkeiten?
Ab stabilen Stückzahlen ja – zwei bis vier Spuren verdoppeln bis vervierfachen die Ausbringung. Voraussetzung: jede Spur braucht eine eigene Dosierstrecke, was die Investition und die Reinigung erhöht.
Verwandte Seiten: Verpackungslösung für Flüssigkeiten | Vertikale Füll- und Verschließmaschine | Reinigung und Hygiene in der Verpackung | VFFS-Ratgeber
Fordern Sie technische Daten und ein Angebot für Ihre Linie an. Nennen Sie Produkt, Beutelformat und Zielleistung (Beutel/Min.) – technische Daten und Angebot anfordern.





