Kurz gesagt
Eine vertikale Schlauchbeutelmaschine (VFFS) formt Beutel aus einer flachen Folienrolle, dosiert das Produkt hinein und versiegelt die Beutel – alles in einem durchlaufenden Arbeitsgang. Sie ist das am weitesten verbreitete Maschinenkonzept für Granulat, Snacks, Pulver und bestimmte Flüssigkeiten, weil sie bei niedrigen Materialkosten hohe Taktraten erreicht: branchenüblich 40 bis 80 Takte/Min., bei kleinen Kissenformaten und Mehrbahnsystemen auch darüber.
Wer Beutel vom Rollenmaterial herstellt, bezahlt pro Beutel im Wesentlichen Folie – keine fertig konfektionierten Beutel. Das ist der zentrale wirtschaftliche Unterschied zur Beutelverpackungsmaschine für vorgefertigte Beutel, die fertige Beutel kauft, befüllt und verschließt.
Wie funktioniert eine VFFS-Maschine?
Der Ablauf lässt sich in acht Schritte gliedern:
- Abrollen: Der Folienabroller zieht Folie von der Rolle. Ein Tänzerwalzensystem hält die Zugspannung konstant, damit die Folie nicht reißt oder sich verzieht.
- Vorschub: Ein Schritttransport rückt die Folie um genau ein Beutelbild weiter – gesteuert über aufgeprägte Registermarken oder eine Längenmessung.
- Formen: Die flache Folie läuft über die Formschulter und wird zu einem Folgeschlauch geformt. Die Formschulter bestimmt die Beutelbreite.
- Längsnaht: Eine Längssiegelstation verschließt den Folischlauch an der Seite – thermisch über beheizte Backen oder kontinuierlich über rotierende Siegelräder.
- Quernaht unten: Quersiegelbacken verschweißen den Schlauch zum Beutelboden.
- Dosieren: Über dem frisch gebildeten Beutelboden dosiert die Dosiereinrichtung das Produkt: Schneckendosierer für Pulver, Mehrkopfwaagen für stückige Ware, Kolben- oder Pumpendosierer für Flüssigkeiten und Pasten.
- Quernaht oben: Die Quersiegelbacken schließen den Beutel oben. Diese Siegelnaht ist zugleich der Boden des nächsten Beutels.
- Trennen: Ein Messer trennt den fertigen Beutel ab. Optional folgen Datumsdrucker, Gasspülung (MAP) oder Etikettierung in der Linie.
Aus welchen Komponenten besteht die Maschine?
Kernkomponenten sind Folienabrollung mit Tänzer, Formschulter, Längs- und Quersiegelstation, Dosiereinrichtung sowie die Steuerung. Im industriellen Maschinenbau sind speicherprogrammierbare Steuerungen (PLC) mit Bedienterminal (HMI) von Herstellern wie Siemens oder Omron gebräuchlich; die Pneumatik stammt häufig von Festo oder SMC. Rahmen und produktberührte Teile werden üblicherweise in Edelstahl SS304 ausgeführt, bei erhöhten Hygiene- oder Korrosionsanforderungen in SS316.
Die Dosiereinrichtung wählt man nach Produkt:
| Dosiersystem | Geeignet für | Typische Dosiergenauigkeit |
|---|---|---|
| Schneckendosierer | Pulver, feines Granulat | ±0,5 bis 2 % |
| Mehrkopfwaage | Snacks, Kaffeebohnen, Tiefkühlware | ±0,3 bis 1 g |
| Kolbendosierer | Flüssigkeiten, Pasten, Öle | ±1 % |
| Becherdosierer (volumetrisch) | gleichförmiges Granulat, Reis | ±1 bis 2 % |
Welche Beutelformate entstehen?
Standardformate der VFFS-Maschine sind der Kissenbeutel und der Beutel mit rückseitiger Versiegelung. Mit zusätzlichen Formteilen lassen sich 3-Seiten-Siegelbeutel und Blockbodenbeutel mit Falteinrichtung herstellen. Für Portionsformate fahren mehrere Bahnen parallel – daraus entstehen Stickpacks, wie sie die Stickverpackungsmaschine in Serie produziert.
Typische Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Branchenüblicher Bereich | Anmerkung |
|---|---|---|
| Taktrate | 40 bis 80 Takte/Min. | abhängig von Produkt und Format |
| Folienbreite | 200 bis 800 mm | bestimmt die maximale Beutelbreite |
| Dosiergenauigkeit | ±0,5 bis 2 % | abhängig vom Dosiersystem |
| Beutelgröße | 50 × 80 mm bis 350 × 500 mm | maschinenabhängig |
| Leistungsaufnahme | ca. 3 bis 7 kW | ohne Peripherie |
| Rahmenmaterial | Edelstahl SS304, optional SS316 | produktberührte Teile |
Für wen eignet sich eine VFFS-Maschine?
Das Konzept passt zu Betrieben mit mittleren bis hohen Stückzahlen und preislich wettbewerbsintensiven Produkten: Reis und Getreide, Zucker, Snacks, Kaffee, Tiernahrung, Waschmittel oder Schrauben. Die Folienkosten pro Beutel liegen spürbar unter denen fertiger Beutel, und die Linie läuft mit einer Taktrate, die Fertigbeutellinien im Premiumsegment üblicherweise nicht erreichen.
Weniger geeignet ist die VFFS-Maschine, wenn Ihr Absatzkanal hochwertige Verkaufsverpackungen verlangt – Standbeutel mit Ausguss, Quad-Seal-Kanten oder Mattfolien-Optik. Solche Formate produzieren Sie mit einer Beutelverpackungsmaschine für vorgefertigte Beutel wirtschaftlicher. Den ausführlichen Entscheidungsrahmen liefert der Vergleich VFFS oder vorgefertigte Beutel.
Häufige Fragen
Wie schnell ist eine vertikale Schlauchbeutelmaschine?
Für Granulat und Snacks sind 40 bis 80 Takte/Min. branchenüblich. Kleine Formate mit mehreren Bahnen – etwa Stickpacks mit 8 bis 12 Strängen – erreichen zusammen 200 und mehr Beutel/Min.
Welche Folien verarbeitet eine VFFS-Maschine?
Jede heißsiegelfähige Verbundfolie: PE-Monofolien, PET/PE, OPP/PE, PET/AL/PE für Aromaschutz sowie Papierverbunde. Voraussetzung ist eine auf das Folienmaterial abgestimmte Siegeltemperatur und Siegelzeit – beides wird rezeptabhängig in der HMI verwaltet.
Was kostet eine vertikale Schlauchbeutelmaschine?
Der Preis richtet sich nach Dosiersystem, Taktrate, Edelstahl-Ausführung und Automatisierungsgrad. Eine belastbare Angabe ist nur mit Produktdaten, Beutelformat und Zielleistung möglich.
Wie lange dauert der Formatwechsel?
Branchenüblich 20 bis 45 Minuten, weil Formschulter, Siegelbacken und Dosiergrößen getauscht werden. Details und Einflussfaktoren beschreibt Formatwechsel bei Verpackungsmaschinen.
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